Typologische Bilanzanalyse

Lernen heißt Vergleichen – das gilt auch für die Anwendung der International Financial Reporting Standards (IFRSs). In formalen wie materiellen Fragen orientieren sich die Anwender an der Praxis ihrer Wettbewerber. Vergleichbares gilt für die Bilanzanalytiker. Mit der Umstellung auf IFRSs müssen nicht nur Kennzahlen überdacht und Schwellenwerte angepasst werden.Vgl. Lachnit, Bilanzanalyse, Wiesbaden 2004, S. 344 ff.; Ballwieser/Hachmeister: Möglichkeiten und Grenzen einer international ausgerichteten Abschlussanalyse, in: Lachnit/Freidank (Hrsg.): Investorenorientierte Unternehmenspublizität, Wiesbaden 2000, S. 575 ff. Auch das „analytische Fingerspitzengefühl” muss sich erst noch entwickeln. Analysten lernen ebenfalls durch Vergleichen. Ob Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden nun ungewöhnlich sind oder nicht, kann nur vor dem Hintergrund von „üblicherweise” angewandten Verfahren beurteilt werden.Dieser Ansatz – nämlich typische Bilanzierungsprofile zu erheben und daraus auf die Üblichkeit oder Unüblichkeit der im Einzelfall erhobenen Praxis schließen zu können – ist Gegenstand der Typologischen Bilanzanalyse. Eine Untersuchung unter gleichem Namen wurde unter Federführung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) und Begleitung durch Prof. Dr. Tobias Hüttche von der Fachhochschule Erfurt für die Sparkassen-Finanzgruppe durchgeführt.Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV)Leitfaden für die Analyse von Internationalen Abschlüssen in EBIL, Teil 4 – Typologische Bilanzanalyse, 2. Auflage, Stuttgart 2007. Ziel war es, aus internationalen Jahresabschlüssen der Berichtssaison 2005 branchenspezifische Bilanzierungsprofile abzuleiten. Bislang publizierte Untersuchungen erheben – soweit erkennbar – einzelne Merkmale und/oder gehen indexorientiert vor (DAX 30, DAX 100 etc.).Bspw. zur Bilanzierung von Pensionsrückstellungen Gohdes/Recktenwald, DB 2006, S. 1021 ff.; Rhiel/Stieglitz, DB 2006, S. 1385 ff.; zur Segmentberichterstattung Languth/Brunschön, DB 2006, S. 625 ff.; Bezüglich der analysierten Merkmale umfassend und index- bzw. größenorientiert bspw. von Keitz, Praxis der IASB-Rechnungslegung, 2. Auflage 2005. Die referierte Untersuchung wählt einen branchenorientierten Ansatz. Sie erhebt die Praxis in ausgewählten Branchengruppen über insgesamt 15 Merkmale in 64 Ausprägungen. Die Einbeziehung auch vergleichsweise kleiner Werte aus dem General-Standard ermöglicht die Bildung zahlenmäßig aussagefähiger Branchengruppen. Dabei zeigen sich branchenspezifische Bilanzierungsprofile. IFRS-Bilanzierer wie Bilanzanalytiker können daraus ableiten, ob die in Rede stehende Bilanzierungsmethode der geübten Praxis der Branche entspricht oder nicht.